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ev.Gottesd.
Alles geben für eine Kirche mit Zukunft
Die 25-jährige Anita Weiss ist die Jüngste in der katholischen Synode. Für sie ist der Glaube ein Anker in einer Welt voller Optionen – und die Parlamentsarbeit interessanter als manche Gottesdienste. Seit zwei Jahren sitzt die 25-jährige Anita Weiss zwischen mehrheitlich ergrauten Häuptern im Rathaus im Parlament der Katholischen Kirche im Kanton Zürich. Warum tut sie das? «Ich mache das für den Glauben», sagt
sie. Wobei Glaube ein grosses Wort sei. Für sie bedeute es die Gewissheit, «dass immer jemand da ist, auch wenn ich gerade zweifle». Und für ihre Generation könne der Glaube ein Anker und ein roter Faden im Leben sein, in einer oft unüberschaubaren Welt voller Optionen, Chancen und Möglichkeiten. Wenn die angehende Gymnasiallehrerin ihren Mitstudierenden von ihrem kirchlichen Engagement erzählt, erntet sie oft Unverständnis oder Ablehnung. «Wie kannst du solche Kinderschänder unterstützen?», hört sie ebenso wie: «Keine Ahnung, Kirche und Glaube sagen mir gar nichts.» Anita Weiss hat den Glauben in ihrer -Familie erfahren und ist besonders von ihrem polnischen Grossvater geprägt. Er war im Konzentrationslager, und die junge Synodalin ist überzeugt, dass ihn «sein Glaube durch diese schwere Zeit begleitet hat». Als Katholikin wünscht sie sich allerdings ansprechendere Gottesdienste: «Ich war gerade an einem Gottesdienst einer Freikirche in Winterthur», erzählt sie. «Es war krass, wie präsent der Glaube hier war, wie beeindruckend Gott angesprochen wurde.» Die Predigt – von jungen Menschen vorgetragen – habe genau eine ihrer Lebenssituationen getroffen und sei nie langweilig geworden. «Nicht zu reden von den Liedern, die hier einfach schmissiger und mitreissend waren.» Das sei ein grosser Unterschied zu den katholischen Gottesdiensten im Dorf, in dem sie aufgewachsen ist, wo es ihr immer langweilig war und in einer grossen Kirche wenige, meist ältere Leute sassen. Die Synode, ein auf den ersten Blick doch eher langweiliger Parlamentsbetrieb, findet die junge Sportbegeisterte jedoch durchaus interessant: «Hier kann ich erleben, wie ein Parlament funktioniert, und habe Kontakt zu einer Generation, mit der ich sonst nicht so viel zu tun habe», meint sie. Ihre älteren Synoden-Kolleginnen und -Kollegen seien sehr offen zu ihr. Als an der Dezember-Sitzung über eine Spesenentschädigung für Synodale für ihre digitale Ausrüstung diskutiert wird (da die Sitzungsunterlagen neu nicht mehr auf Papier verschickt werden sollen), findet sie das eigentlich überflüssig, denn ein Laptop oder ein Tablet sei doch nicht so teuer und habe man meist schon. Sie ergreift zweimal das Wort, sucht nach einer Kompromisslösung und votiert dann für eine kleine Spesenentschädigung. «Ich wünsche mir, dass wir zusammen alles geben, damit unsere Kirche auch in Zukunft noch existiert», sagte sie als jüngstes Synoden-Mitglied bei der Eröffnung der neuen Amtszeit. Dazu gehören wohl oder übel Reformen, ist sie überzeugt. Dass das bei so einem «Riesenapparat» Geduld braucht, ist ihr bewusst. Dass auch Frauen Priesterinnen werden können, ist für sie eine gute Option, «aber bis die Kirche auf der ganzen Welt so weit ist, kann es ewig dauern», seufzt sie. Sie freut sich, dass Papst Franziskus Schritt für Schritt in Richtung Reformen geht. Und besonders freut sie sich über seine Umwelt-Enzyklika «Laudato si». Denn: «Unsere Mutter Erde ist die Grundlage unseres Lebens. Wir müssen ihr, unserem Glauben und unserer Kirche Sorge tragen.» Sagts und organisiert das Mittagessen für ihre Fraktion am Synodentag. Das ist ihr Ämtli – «So viel muss drin liegen nebst Master-Studium und 30 % Arbeit.» Text: Beatrix Ledergerber-Baumer
Viele Impulse für das Christsein Knapp 50 Teilnehmer haben im Bistum Magdeburg an einem Vertiefungskurs zu Aspekten des geistlichen Lebens teilgenommen. „Mir hat der Vertiefungskurs dabei geholfen, die zu mir passende Art, zu beten und mit Gott in Beziehung zu leben, noch besser herauszufinden. Und der Kurs hat mich bestärkt, zu dieser, meiner Weise Christ zu sein, mit Selbstvertrauen zu stehen“, sagt Regina Masur. Die 68-jährige Magdeburgerin ist eine von 50 Teilnehmern, die sich zu einem einjährigen „Vertiefungskurs Spiritualität“ angemeldet hatten, der jetzt zu Ende gegangen ist. Voraussetzung war die Teilnahme an einem der vorausgegangenen Grundkurse. Zu dem Vertiefungsangebot hatte das Bistum Magdeburg Interessierte auch aus den Nachbarbistümern eingeladen. Der sechsteilige Kurs fand mit je bis zu 25 Teilnehmern mit gleichen Inhalten parallel, aber zu verschiedenen
Terminen, im Zisterzienserinnenkloster Helfta (Eisleben) und bei den Claretinern im Kloster Mühlberg (Elbe) statt. Die Teilnehmer konnten, so sie terminlich verhindert waren, hin und her wechseln. Jedes Modul ging von Freitagabend bis Samstag 17 Uhr. Zum siebten, eintägigen Abschlusstreffen kamen alle am 25. Januar in Zwochau zusammen. „Sehr dichte Gespräche über den Glauben“ Auch Michael Tretschok aus Altenweddingen gehörte zu ihnen. Der 57-Jährige beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Mystik und Spiritualität und hat ein Buch veröffentlicht, mit dem er das Gespräch über den Glauben fördern will. „Der Vertiefungskurs hat mir neue Anregungen gegeben“, sagt Tretschok. „Meine eigenen Erfahrungen konnte ich in teils sehr dichten Gesprächen mit anderen erweitern.“ Insgesamt hätte sich Tretschok mehr Zeit gewünscht. Die Kursmodule waren inhaltlich an die Exerzitien nach Ignatius von Loyola angelehnt: 1. Der Mensch als geliebtes Geschöpf Gottes. 2. Mit Jesus unterwegs. 3. Das Kreuz, die Krise als Chance. 4. Was soll ich dir tun – Heilung als Ganzwerdung. 5. Auferstehung als Wirklichkeit. 6. Und er sandte sie aus. Die Teilnehmer waren eingeladen, sich in Gebet und Gottesdiensten, in Bibel- und anderen Gesprächen, im Malen innerer Bilder, durch Atemübun- gen und Meditation oder im Bibliodrama mit dem eigenen Glauben auseinanderzusetzen und darin zu wachsen. Außerdem konnten sie an Gebetszeiten und Gottesdiensten in den Klöstern teilnehmen. Referenten waren geistliche Begleiterinnen und Begleiter aus dem Bistum Magdeburg. Die Leitung hatten Claretiner-Pater Alois Andelfinger, Mühlberg, Pfarrer Heinz Werner, Querfurt, und Pfarrer H.- Konrad Harmansa, Leipzig. „Der eigene Glaube ist nie fertig, man muss sich immer weiterentwickeln“, sagt Maria Kube (65) aus Halle. Der Vertiefungskurs habe ihr dabei geholfen. Manchmal sei es „ganz schön in die Tiefe, an die Substanz gegangen“. In den Gesprächen zwischendurch seien etwa auch Fragen wie die Rolle von Judas erörtert worden. „Der Kurs ist ein Angebot für Menschen, die mehr suchen als nur den Sonntags-Gottesdienst“. Kube würde sich freuen, wenn es eine Fortsetzung gäbe. Regina Masur fand 25 Teilnehmer pro Kurs recht groß, 15 wären besser. Dennoch habe man auch in den großen Runden „immer wieder sehr gute Gespräche geführt“. „Es gab eine wirkliche Bereitschaft, aufeinander zu hören und auch in der großen Runde keine Scheu, etwas von sich zu erzählen.“ Das sieht auch Regina Prill (65) aus Magdeburg so. Wie Masur fand sie die teilweise dreimonatigen Abstände zwischen den Kursmodulen nicht so günstig. Einig sind sich beide Frauen über die hohe Kompetenz, die vielfältigen Herangehensweise und die gute Art und Weise der Referenten. „Die Suche nach Gott geht nicht allein“ Regina Prill ist bei dem Kurs einmal mehr deutlich geworden: „Glauben und die Suche nach Gott geht nicht allein. Wichtig ist, sich mit anderen darüber auszutauschen. Der Kurs hat dazu viele Möglichkeiten geboten.“ Zum Glauben gehöre beides, fundiertes Wissen, aber eben auch gelebte Spiritualität. Gemeinsam zu glauben, sich auszutauschen, miteinander in der Bibel zu lesen, kreativ zu sein, Seminare zu besuchen, sei eine gute Hilfe, über manches, was auch in der Kirche traurig macht, hinwegzukommen und immer wieder Hoffnung zu schöpfen, sagt Regina Prill. Es komme darauf an, „sich auch im Alltag in den Gemeinden zum Beispiel zum Bibelkreis“ oder anderen Formen des Glaubenteilens zusammenzufinden. Darüber hinaus gebe es immer wieder spirituelle Angebote in Bildungshäusern und Klöstern.
Bei einem Abschlusstag in Zwochau erhielten die Teilnehmer des Vertiefungskurses Spiritualität in Helfta beziehungsweise Mühlberg ihre Teilnahme-Zertifikate. - Foto: Eckhard Pohl Verzeichnis (Auflistung) Start-Seite
Katholische Webseite aus der Lausitz Beatrix Ledergerber-Baumer