©2016 Henry Aurich Impressum
01
«Gott wird Mensch!  - Weihnachten feiern!»
Liebe Pfarreiangehörige Wenn uns die Kirche zu nächtlicher Stunde am Heiligen Abend zusammenruft und wenn wir zu so später Stunde miteinander beten, singen und Eucharistie feiern, dann hat das immer einen besonderen Grund. Dann gilt es etwas Besonderes zu feiern und ein heilsgeschichtliches Ereignis in den Blick zu nehmen, es zu ergründen und auf unser Leben hin zu deuten. So auch die Heilige Nacht, in der wir uns zum Festgottesdienst jedes Jahr in unseren Kirchen versammeln und Weihnachten feiern. Aber da stellen sich uns Menschen des 21. Jahrhunderts schon die ersten Fragen, denn das ist ja nicht mehr selbstverständlich: Was bedeutet dieses Fest eigentlich? Was ist der innerste Kern. das Zentrum, das Wesentliche? So vieles überlagert diese Nacht und diese Tage der Weihnachtszeit- Was ist also Weihnachten? Die Antworten sind sehr verschieden. Manche Menschen sagen Weihnachten - das ist ein Fest der Liebe! Ein Fest der Geschenke! Wieder andere meinen Weihnachten - das ist ein Fest der Familie! Das ist ein Fest des Friedens! Gewiss, das alles ist sicher nicht falsch, und es ist ja auch wichtig, dass wir der Liebe Ausdruck verleihen, dass wir in der Familie beisammen sind und spüren, wie sehr wir einander mögen und gern und lieb haben, wie sehr wir einander brauchen und aufeinander angewiesen sind. Ebenso wichtig ist es. dass wir einander
Gutes tun und einander beschenken und dass dieses Fest in uns die Sehnsucht nach Frieden weckt und wach hält. Und nicht zuletzt - dass uns dieses Fest letztlich beauftragt, dem Frieden den Boden zu bereiten. Aber das alles, liebe Leserinnen und Leser - das alles ist noch nicht Weihnachten. Oder sagen wir es so: Das alles sind wundervolle Blüten, die aus dem Wurzelstock des Weihnachtsfestes erwachsen - aber der Kern, das Wesentliche der Heiligen Nacht - es ist etwas anderes, etwas, was nicht wir Menschen gemacht oder erdacht hätten. Nein, was wir in der Heiligen Nacht feiern, das ist göttlichen Ursprungs und darum heilig. Und es ist derart, dass es unser Leben verwandeln und erneuern kann. Darum meint Weihnachten, in wenige Worte gefasst, eben dieses: Gott wird Mensch! Gott, der so groß ist, dass ich ihn nicht bis ins Letzte denken kann, weil er all meine Denkkapazität übersteigt - eben dieser Gott - ER wird Mensch, offenbart sich im Kind. Und das, liebe Leserinnen und Leser, lässt sich nicht in Formen und Formeln des Verstandes einfassen. Das übersteigt letztlich unser Denkvermögen, aber das Herz, das gläubige Herz - es lässt sich berühren und vom Geheimnis der Heiligen Nacht anrühren. Weihnachten - Gott wird Mensch! Das hat einen ganz tiefen Sinn, der Heil schenkt und Mut macht und uns existentiell berührt. ER wird Mensch, um uns auf dem Weg unserer Menschwerdung zu helfen. «Mach's wie Gott - werde Mensch!» Und daraus erwachsen weitere Fragen am Heiligen Abend - nämlich diese: «Bist du bereit, diesen Weg der Menschwerdung zu gehen?» «Bist du bereit, dich auf dieses Kind einzulassen und auf das was es einst verkünden wird?» «Bist du bereit?» Dieser Weg ist nicht leicht, dieser Weg ist manchmal sogar steinig oder schwer. Denn er hat wesentlich damit zu tun, dass ich mich im Spiegel seiner Botschaft betrachte, mich von ihm her verstehe und mich von ihm formen und prägen lasse. Natürlich werden wir in diesem Moment auch unserer Schatten bewusst; und unserer Wunden und Schrammen, die wir alle haben; auch unserer Schwächen. Deshalb ist es gut, jetzt einmal auf das Kind in der Krippe zu schauen. Da liegt es auf Stroh gebettet - und in seiner Haltung wird ein Wesenszug Gottes sichtbar: Das Kind breitet die Arme aus, es heißt uns willkommen, und in dieser Haltung lässt uns dieses göttliche Kind wissen: «Du, Mensch, du darfst zu mir kommen! Zu mir darfst du jederzeit kommen!» Und später wird dieses Kind sagen: «Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid.» Weihnachten - das ist das Fest der Menschwerdung Gottes und das Fest, das uns auf den Weg unserer Menschwerdung ruft und uns dazu ermutigt. Das ist eine wesentliche Seite der Weihnacht. Liebe Leserinnen und Leser, es geht in der Heiligen Nacht aber nicht nur um uns. Das ist zwar wichtig, aber es wäre zu wenig. Schauen wir mit unserem geistigen Auge abschließend noch kurz am unseren Globus Nicht überall herrscht Frieden und Sicherheit. Ganz im Gegenteil - unzählige Menschen sind jetzt auf der Flucht vor Krieg und Terror. Und viele von ihnen haben nicht nur Hab und GUT hinter sich gelassen. Viele haben auch liebe Menschen verloren, Angehörige, Freunde. Sie sind traumatisiert und ihr Herz ist zutiefst verwundet. Denken wir an die Kinder, die weltweit von Fanatikern umgebracht wurden und deren Eltern und Geschwister und so viele andere Menschen deswegen unsagbar traurig sind. Die Verursacher dieser menschenunwürdigen Aktionen und Zustände haben gezeigt und zeigen noch immer, wie unmenschlich der Mensch sein kann. Allein diese Tatsachen machen uns deutlich: Weihnachten bleibt Auftrag - es geht darum, im Blick auf den Mensch gewordenen Gott an der Menschwerdung der Menschheit mitzuwirken. Der alttestamentliche Prophet Jesaja hat in seinem Wort, das mehr als 2700 Jahre alt ist und das wir in jeder Heiligen Nacht hören, hoffnungsvoll ausgedrückt: «Das Volk, das im Dunkeln lebt, sieht ein helles Licht; über denen, die im Land der Finsternis wohnen, strahlt ein Licht auf.» Pfarrer Stanislav Weglarzy Glattfelden-Eglisau-Rafz
Der Glaube allein sola fide oder Glaube und Werke HTML color codes