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Aktivismus PAPST FRANZISKUS AM 22. DEZEMBER 2014:
Eine weitere Krankheit ist der "Martalismus " (von "Marta" abgeleitet), der übertriebene Fleiss: die Krankheit derer, die sich in die Arbeit versenken und dabei unvermeidlich "das Bessere" vernachlässigen, nämlich sich Jesus zu Füssen zu setzen (vgl. Lukas 10,38-42). Darum hat Jesus seine Jünger aufgefordert, "ein wenig auszuruhen" (vgl. Markus 6,31). Die nötige Ruhe zu vernachlässigen führt nämlich zu Stress und Rastlosigkeit. Die Zeit der Ruhe ist für den, der seine Aufgabe vollendet hat, eine Notwendigkeit und eine Pflicht; sie muss ernsthaft eingehalten werden, indem man ein wenig Zeit mit den Angehörigen verbringt und die Ferien als einen Moment des geistlichen und körperlichen Kraftschöpfens achtet. Man muss lernen, was Kohelet lehrt: "Altes hat seine Stunde. Für jedes Geschehen unter dem Himmel gibt es eine bestimmte Zeit." (Kohelet 3,1)
Verenaschlucht und die Einsiedelei Solothurn
"Nördlich der Stadt, in der Stille der Verenaschlucht, liegt die Einsiedelei. Hier geht noch heute eine Einsiedlerin ihrer Arbeit nach. Die Schlucht mit Kapellen und Eremitenklause ist ein ideales Ausflugsziel für Familien und Gruppen, das zudem mit dem gemütlichen Restaurant Kreuzen zur Rast lädt. Für mich waren die Wanderung durch die Verenaschlucht und die Besichtigung der Einsiedelei ein einmaliges Erlebnis."
Wer sich auf den Weg zur Einsiedelei St. Verena bei Solothurn macht, ist eines sicher nicht: einsam. Ein klassischer Wallfahrtsort sei die Einsiedelei St.Verena nicht mehr, erzählt Hans-Rudolf Hug, Vizepräsident der Gesellschaft der Einsiedelei St.Verena. Aus religiöser Motivation pilgern heute wenige dorthin. Die Menschen laufen eher auf der Suche nach Erholung an den leicht versteckten Ort ausserhalb von Solothurn. Der Waldweg zur Einsiedelei schlängelt sich an einem Bach entlang, an manchen Stellen führt ein Brücklein auf die andere Seite. "Das ist der Teufelsstein", zeigt der frühere Geschichtslehrer auf einen mehrere Meter hohen Fels inmitten des Baches und erzählt die Legende. An diesem Ort hat die Heilige Verena ihre Krauter für die Heiltränke gesammelt. Vielen Bauersfrauen, denen sie von ihrem Trank gegeben hat, habe Verena auch von Christus erzählt. "Das hat dem Teufel nicht gepasst", erzählt Hans-Rudolf Hug. Und als Verena wieder an dieser grünen Stelle ihre Krauter sammelt, passt ihr der Teufel ab, den grossen Stein zwischen seinen riesigen Pranken, und will ihn auf die Frau herabstossen. Doch Verena sieht den Stein, macht ein Kreuzzeichen und just in diesem Moment verlassen den Teufel seine Kräfte, und der Stein fällt ihm auf die Füsse. Seitdem hinke der Teufel, meint der Historiker schmunzelnd. Nach rund zehn Minuten lockerem Spazieren öffnet sich die enge Schlucht und der erste Blick fällt auf die Klause, die sich auf der rechten Seite unter einem gewaltigen Felsvorsprung hervortut. Ein wenig erinnert sie an ein Knusperhäuschen aus einem Märchen. Kleine Fenster, das Schrägdach reicht an beiden Seiten bis fast auf die Erde. Im kunstvoll angelegten Garten vor dem Haus steht ein übermannshohes Steinkreuz in der Mitte. "Aus Berichten weiss man, dass die Klause seit über 600 Jahren immer wieder von Einsiedlern bewohnt war", erzählt Hans-Rudolf Hug. Die Verena-Kapelle drückt sich förmlich an den hoch aufragenden Felsen gegenüber der Klause. Dass die Kapelle noch mehr als zehn Meter tief in den Fels hineinragt, bemerkt man erst beim Betreten. Eine Alabasterdarstellung der Heiligen Verena auf dem Altar mit den Attributen Kamm und Krug gibt der Kapelle ihren Namen. Der Krug sei auch ein Symbol für den Uterus, denn Verena ist auch Schutzpatronin für jene Frauen, die sich sehnlichst Kinder wünschen. Viele Frauen seien früher deshalb hierher gepilgert, um nach einer Fürbitte an die Heilige Verena doch noch ein Kind zu bekommen. Die zweigeschossige Höhle, in der die Heilige Verena im 4. Jahrhundert gelebt haben soll, liegt versteckt hinter der St.-Martins-Kapelle und ist nicht zugänglich. Hug bedauert, dass man die Martins-Kapelle immer verschlossen halten muss. Doch die wertvollen Statuen und die kunstvoll gestaltete Holzdecke im Inneren der Kapelle Hessen angesichts zunehmender Kriminalität keine andere Wahl. Ein Blick in die Kapelle durch eine vergitterte Öffnung in der schweren Holztüre ist aber für jedermann möglich. Kipa
Glaubensfragen
Die Frage, ob Gott eine Person ist, scheint den Nerv des christlichen Glaubens zu treffen. Denn nach biblischem Zeugnis begegnet Gott den Menschen in personaler Zuwendung. Glaubende trauen sich, diesen Gott als "Du" anzusprechen. Umso beunruhigender wirken Ergebnisse von Umfragen, denen zufolge der Glaube an einen personalen Gott im Schwinden begriffen ist. Doch was heisst das genau? Bei der Rede von einer "Person" denken viele an die Weise, wie wir Menschen uns als endliche Personen begegnen: mit körperlichen Konturen und begrenzter Gestalt, so dass wir zugleich aneinander auch eine Grenze finden. Dies ist bei Gott in der Tat anders! Deswegen ziehen viele Menschen, wenn sie von Gott sprechen, Begriffe wie "Licht", "Kraft", "Atem" vor. Sie wollen zum Ausdruck bringen, dass dieses Göttliche nicht nur ein äusserliches Gegenüber ist, sondern sich mit dem Menschen verbindet. "In ihm leben wir, bewegen wir uns und sind wir", so beschreibt die Apostelgeschichte (17,28) diese Überzeugung, die zutiefst christlich ist. Zugleich unterscheidet sich die Gottesbeziehung von zwischenmenschlichen Beziehungen durch die Art der Kommunikation. Die Gegenwart Gottes muss man anders suchen als das Zusammensein mit menschlichen Personen. Sie ist verborgener, weniger greifbar. So einfach ist es also tatsächlich nicht mit "Gott als Person"! Gott darf wirklich nicht mit menschlichen, endlichen Personen verwechselt werden. Was meint dann der Glaube an einen personalen Gott? Er drückt die Überzeugung aus: Gott ist keine blinde Macht, sondern eine geistige Wirklichkeit mit unverfügbarer Freiheit. Christinnen und Christen vertrauen zudem darauf, dass dieser Gott den Menschen personal gerecht werden kann, sie in ihren persönlichen Anliegen kennt und ihnen Anerkennung schenkt. Der Glaube an einen so verstanden personalen Gott schliesst ein Verständnis von Religion aus, demzufolge sie so etwas wie eine religiöse Technik wäre, sich möglichst geschickt geheimnisvoller Energien zu bedienen. Dies wäre ohnehin kaum eine wirklich menschenwürdige beziehungsweise personenwürdige Religion. Eva-Maria Fabel-Rektorin der Theologischen Hochschule Chur
Schade, dass der Papst die Krankheit des Aktivismus ausgerechnet Marta anhängt. Seine Interpretation der biblischen Szene war zwar über Jahrhunderte dominierend, aber mir leuchtet die Deutung durch Meister Eckhart dennoch besser ein, der in Marta ein leuchtendes Vorbild sieht, gerade weil sie mit ihrem Glauben im Alltag steht und sich daraus um die alltäglichen Grundlagen des Lebens bemüht. Deshalb werde ich die von Papst Franziskus diagnostizierte Krankheit Aktivismus nennen und nicht Martalismus. In der Beschreibung der Krankheit bin ich aber wieder ganz auf der Seite des Papstes. Also will ich mit ihm auch nicht über Begrifflichkeit streiten, sondern auf seine Diagnose eingehen. Und diese Diagnose trifft uns alle. Wir leben in einer Gesellschaft, in der man gerne damit angibt, nur wenig zu schlafen. In der eine prall gefüllte Agenda Wichtigkeit verkündet. In der selbst die Freizeit einem Dauerwettkampf gleicht. In der wir internetgestützt permanente Aufnahmebereitschaft vorgaukeln. Und wer sich für besonders wichtig hält - Politiker, Manager, Intellektuelle, Künstler und offenbar auch das kirchliche Personal -, der brüstet sich gerne mit seinen 70 und mehr Arbeitsstunden pro Woche. Manchmal träume ich davon, wie es in unserer Welt wohl aussehen würde, wenn die Menschen mehr schlafen und weniger handeln würden. Aber mein Hirn ist wohl vom vielen nutzlosen Schlafen vernebelt, denn ich stelle mir in meinen Träumen vor, dass dann diese Welt eine besser Welt wäre - gelassener, friedlicher, entspannter. Immerhin: Schlafforscher haben festgestellt, dass Verfolgungswahn eines der ersten Symptome ist, wenn man einem Menschen den Schlaf entzieht. Für den Papst ist Ruhe nicht bloss ein Geschenk, sondern eine Pflicht. Ruhe kommt nicht erst dann an die Reihe, wenn wir mit allem anderen durch sind. Sie "muss ernsthaft eingehalten werden". Ruhe ist damit kein Abfallprodukt und auch keine Belohnung, sondern eine Voraussetzung für kluges und sinnvolles Handeln. Ich frage Bischöfe - und auch andere Menschen in Führungspositionen - gerne, wie sie es mit den Ferien und dem Schlaf halten. Das ist gewissermassen meine Gretchenfrage, die ich nun mit päpstlichem Rückenwind erst recht stellen werde. Allerdings wird es nun höchste Zeit, dass ich sie auch mir selbst stelle und darauf eine ehrliche Antwort versuche. Thomas Binotto
Regenbogen
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Der Glaube allein sola fide oder Glaube und Werke