Maria Regina
Maria, die Mutter, hat einen Ehrentitel: Regina, lateinisch für Königin. Das Fest «Maria, Königin des Himmels » begeht unsere Kirche am 22. August, acht Tage nach Himmelfahrt. Ich beobachte die Kinder einer Freundin beim Spielen. Ein Junge und ein Mädchen, beide im Kindergartenalter. Sie spielen Familie. Das Mädchen steckt ein Kissen unter ihr Shirt, sie ist schwanger. Stolz trägt sie den grossen Bauch vor sich her. Bald wird das Baby auf die Welt kommen. Während mir die Freundin erzählt, wie es ihr geht, wie sich so manches verändert hat, seit die Kinder da sind, wie müde sie ist, wie sie sich nach Ruhe sehnt und nach einem Moment nur für sich allein – während wir also plaudern, haben die Kinder ein neues Spiel entdeckt. Sie setzen sich gegenseitig Kronen auf, steigen feierlich aufs Sofa und nehmen Platz auf dessen Lehne. Ich gehe zu den beiden und frage, wer sie denn wohl seien? «Ich bin die Königin von diesem Land», sagt sie sehr ernst. «Und was macht die Königin?», frage ich zurück. Einen Moment lang schaut sie mich mit grossen Augen an und weiss nichts zu sagen, dann lacht sie, wirft die Krone vom Kopf und springt weg. Ich muss an die Grossen der Welt denken. Was wissen sie schon, was sie tun? Und ich verstehe die Sehnsucht: nach einer ewigen Mutter, nach einer wirklichen Königin. Text:Veronika Jehle
Mutig nach vorne schauen Stiftskirche in Neustadt an der Weintraße mit Pfarrer Michael Landgraf und Pfarrerin Dr. Nicole Schatull Wie kriege ich meine Zukunft gebacken?“ fragen sich Jugendliche zu Beginn des neuen Schuljahrs. Für ihren Traumberuf brauchen sie gute Zensuren. Das macht Druck.  Andere möchten nach der Schulzeit gern auf andere Kontinente reisen, wissen aber nicht, ob sie sich das zutrauen können. Wie ermutigend in solchen Zeiten der Ungewissheit und Neuorientierung der Glaube an einen persönlichen Gott ist,
Enthauptung Es   ist   ein   makaberer   Anlass,   an   den  am  29.  August  gedacht  wird:  Johannes der Täufer wurde geköpft. Die  Geschichte  aus  dem  Markus-Evangelium liest sich wie ein Krimi.Krimis lesen sich gut, wenn sie rea-listisch sind, komplex, verwickelt und verworren, wie das Leben selbst. Ein Feuerwerk  der  Emotionen,  die  ab- gleiten  ins  Böse,  abgründig  und  er- schreckend. Die Verse 14 bis 29 aus dem  sechsten  Kapitel  des  Evange- liums  von  Markus  lassen  da  nichts  vermissen. Sie erzählen, wie Eifersucht und Intrige  einen  Menschen  Kopf  und  Kragen  kosten.  Die  Akteure:  König  Herodes  und  der  Prophet  Johannes  der  Täufer,  zwei  Männer  mit  Visio-nen, allerdings mit gegensätzlichen. Dann zwei Frauen, Herodias und Sa-lome,  ihre  Tochter.  Die  Handlung:  Herodes  heiratet  Herodias  unrech-terweise, Johannes macht daraus kein Geheimnis. Herodias hasst den Täu-fer dafür und für seinen Einfluss auf ihren König. Am Geburtstag des Königs passiert es  dann.  Salome  tanzt  für  Herodes,  so betörend, dass dieser sagt: «Bitte mich,  um  was  du  willst,  ich  will  es  dir geben.» Den Kopf des Propheten will Salome. Nicht zufällig, hatte sie als  anständige  Tochter  doch  ausge-rechnet ihre Mutter gefragt, was sie sich wünschen solle. Eifersucht, Int-rige,  Mord  niemand  soll  mehr  sa-gen, die Bibel überliefere keine rea-listischen Geschichten. Veronika Jehle
Kirchenjahr
Spiritualität ganz alltäglich Gipfelschnaps trinken Ich liebe die Berge und das Wandern. In diesen Sommerferien habe ich mir einen lange gehegten Touren-Traum erfüllt. Nach vielen Jahren war ich wieder einmal in der Greina-Ebene, einem magischen Ort in den Bündner Bergen. Zusammen mit meiner Frau fuhren wir ins Val Lumnezia, von Chur mit der Rhätischen Bahn und per Postauto auf 1560 Meter zum Ausgangspunkt nach Vrin. Nach dreistündigem Aufstieg erreichten meine Frau und ich den Pass Diesrut auf 2428 Meter, wo sich ein grandioser Ausblick auf die Greina-Ebene eröffnete, die auf Romanisch «Plaun la Greina» genannt wird.  Die Greina ist eine der schönsten und grössten Hochebenen der Schweiz. Die herrliche, unberührte Naturlandschaft wurde in den Jahren 1948 und 1949 sowie 1985 bekannt, als in der Greina ein Wasserkraftwerk mit Stausee gebaut werden sollte. Die Greina- Ebene gehört zum Quellgebiet des Rheins und dessen Wasser sollte auf der Alpensüdseite turbiniert werden. Landesweite Proteste führten dazu, dass das Projekt zurückgezogen wurde. Seitdem ist die Greina als Schutzzone ins Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung aufgenommen, denn sie birgt ein Hochmoor mit einer paradiesischen Vielfalt seltener Gräser und Pflanzen.  Nach sechs Stunden Wanderung kommen wir also zur Motterascio-Hütte des SAC und übernachten dort. Höhepunkt unserer Wanderung sollte am nächsten Morgen die Besteigung des 3149 Meter hohen Piz Terri werden. Nach drei Stunden erreichen wir den Terri-Gipfel und geniessen am Gipfelkreuz die gigantische Aussicht in die Bündner und Tessiner Alpen. Eine Inschrift erinnert daran, dass der Piz Terri erstmals im Jahr 1801 von Pater Placidus a Spescha vom Kloster Disentis bestiegen wurde.  Aus Freude und Erleichterung über den Aufstieg begehen wir am Gipfel ein schönes Ritual, das ich schon von meinem Vater gelernt habe: Wir berühren das Gipfelkreuz, geben uns einen Gipfelkuss und sprechen still ein Vaterunser. Dann holen wir den Gipfelschnaps aus dem Rucksack. Freilich warnen Gesundheitsapostel immer wieder davor, weil Bergtouren einen klaren Kopf verlangen. Für einen Moment ignorieren wir all diese Ratschläge und geniessen einen Schluck Edelbrand, hier oben zwischen Himmel und Erde. Wir danken Gott für das Wunder der Natur – und sind uns ziemlich sicher, dass Pater Placidus damals auch einen Gipfelschnaps im Gepäck hatte. Text: Christian Cebulj, Rektor der Theologischen Hochschule Chur
 Die Würde des Menschen in der Pflege ist mir nach wie vor ein grosses Anliegen. Wofür stehen Sie ein? Pflegende sollen nicht Tätigkeiten abarbeiten müssen, sondern für den kranken Menschen da sein. Die innere Präsenz hilft, Prioritäten zu setzen, um nicht alles, aber das Wichtige zu tun. Die Politik und die Gesellschaft müssen Rahmenbedingungen schaffen, damit das möglich ist. Wie verhält sich Ihr Ordensleben, Ihr Glaube, zu Ihrem Engagement? Ich kann das nicht trennen. Ich bin ich, in meinem Leben im Kloster genauso wie in der Bildungsarbeit. Meine Ordensgemeinschaft gibt eine Lebens- und Gebetsstruktur. Wenn ich vor schwierigen Situationen stehe, merke ich, wie Gott mich hält.
Niklaus von Flüe * 1417 in Flüeli, Ortsteil von Sachseln im Kanton Obwalden in der Schweiz † 21. März 1487 in der Ranftschlucht bei Flüeli im Kanton Obwalden in der Schweiz Ein  Mann  zwischen  Familie,  Beruf  und  Berufung:  Niklaus  lebte  diese  Spannung bereits im 15. Jahrhundert. Am 25. September gedenkt sein Land gern des bedeutenden Schweizers.Über  Niklaus  von  Flüe  sollte  man  Bescheid wissen. Im Jahr 1481 hatte er der schweizerischen Eidgenossen-schaft zur vertieften Einheit verhol-fen, indem er die Tagsatzungsherren bewegte, nochmals zusammenzutre-ten und eine friedliche Lösung ihrer Konflikte zu finden. Darauf beschlossen die acht Orte sogar,  Freiburg  und  Solothurn  auf-zunehmen, was den Bund erweiterte und ganz nebenbei die Mehrsprachig-keit in der Schweiz einleitete. Über Niklaus von Flüe sollte man aber  nicht  nur  aus  geschichtlichen  oder  politischen  Gründen  Bescheid  wissen. Wegweisend ist seine Art, sein eigenes  Leben  zu  gestalten.  Begabt  war er unbestritten, arbeitsam eben-falls: Bauer, Ratsherr, Ehemann und Vater  soll  er  gewesen  sein,  später  dann Einsiedler, bevor Ehrentitel wie Friedensstifter, Mystiker und Heiliger hinzukamen. Wie  fand  er  den  Weg  durch  all  die  Ansprüche, zwischen den Versuchun-gen des Erfolgs und den Abgründen der Konflikte? Tatsächlich im Gebet. Seine  Mitte,  seine  Quelle,  Kompass  und Wegweiser war für ihn das Sit-zen in der Stille. Seit jeher soll er da-für jede Nacht aufgestanden sein, be-zeugt sein ältester Sohn.Veronika Jehle
Altarbild, 1492, ehemals in der Pfarrkirche, heute gegenüber im Museum Bruder Klaus in Sachseln Nikloaus' Geburtshaus in Flüeli. Das Haus wurde mehrfach vergrößert und umgebaut, schließlich 1925 mit alten Materialien restauriert; im Keller finden sich Reste des damaligen Hauses
Nikolaus, Sohn des gemeinfreien Bauern Heini und seiner Frau Hemma, die 12 Hektar Grund besaßen und damit reiche Bauern waren, wurde schon als Kind mit Visionen bedacht. Als Jugendlicher hatte er einen ausgeprägten Hang zur Einsamkeit und zum stillen Gebet. Im Alter von 16 Jahren sah er in einer Vision einen hohen Turm an der Stelle im Ranft, an der er später seine Einsiedelei errichtete. Berichtet wird auch vom Besuch dreier Männer - ähnlich dem Besuch der drei göttlichen Männer bei Abraham -, die ihm seligen Tod verhießen und ihm ein Kreuz als Zeichen übergaben.
Nikolaus, Sohn des gemeinfreien Bauern Heini und seiner Frau Hemma, die 12 Hektar Grund besaßen und damit reiche Bauern waren, wurde schon als Kind mit Visionen bedacht. Als Jugendlicher hatte er einen ausgeprägten Hang zur Einsamkeit und zum stillen Gebet. Im Alter von 16 Jahren sah er in einer Vision einen hohen Turm an der Stelle im Ranft, an der er später seine Einsiedelei errichtete. Berichtet wird auch vom Besuch dreier Männer - ähnlich dem Besuch der drei göttlichen Männer bei Abraham -, die ihm seligen Tod verhießen und ihm ein Kreuz als Zeichen übergaben. Nikolaus wurde Bauer und nahm ab 1440 als Offizier am Krieg gegen Zürich teil, in dem sich auch die "Bluttat von Greifensee" ereignete, die Ermordung der schon besiegten Verteidiger. Wohl 1446 heiratete Nikolaus im Alter von etwa 29 Jahren die vierzehnjährige Dorothea Wyss, baute dann auf dem Flüeli ein neues Haus und wurde Vater von fünf Knaben und fünf Mädchen. 1457 wandte er sich vor Gericht gegen die vom Pfarrer von Sachseln geforderte Erhöhung der Kirchensteuer, 1459 stieg er zum Ratsherrn in Obwalden und Richter seiner Gemeinde auf. Man achtete ihn wegen seines Gerechtigkeitssinnes und seiner Klugheit; gegen höhere politische Aufgaben wehrte er sich. 1460 war er nochmals als Soldat am Feldzug gegen Thurgau beteiligt; der Überlieferung zufolge verhinderte er dabei die Brandschatzung des Klosters Katharinental in Diessenhofen. Durch all die Jahre verließ ihn aber nie die heimliche Sehnsucht nach dem Einsiedlerleben. Als er seine Frau das erste Mal um Entlassung bat, lehnte sie entsetzt ab. Im Alter von 50 Jahren verschärfte sich seine Suche nach dem Lebenssinn: "Schwer war ich niedergedrückt. Lästig wurde mir meine liebste Frau und die Gesllschaft der Kinder". Anfälle plagten ihn, manchmal stand er mit verdrehten Augen, offenem Mund und verzerrtem Gesichtausdruck an die Wand gelehnt da und war nicht mehr ansprechbar. Auf Anraten eines Priester widmete er sich verstärkt der Betrachtung des Leidens Christi; schließlich beschloss er - mit ausdrücklichem Einverständnis seiner Frau und der Kinder, was er als "große Gnade Gottes" wertete -, ins Ausland zu gehen. Am Gallustag im Oktober 1467 verließ Nikolaus seine Familie - das jüngste Kind war gerade ein Jahr alt - und legte alle politischen Ämter nieder. Er machte sich zunächst den Weg zu einer mystischen Bruderschaft in Basel, fühlte sich aber kurz vor dem Erreichen seines Ziels durch drei Visionen in Waldenburg zurückgerufen: mystische Gestalten versperrten ihm den Weg, dann sah er die ganze Stadt blutrot eingetaucht und in der folgenden Nacht einen Lichtstrahl auf sich herabkommen, der ihm Bauchschmerzen bereitete. Nikolaus erkannte, dass seine Flucht nach Basel nicht Gottes Willen entsprach; er traute sich aber nicht, nach Hause zu kommen, und ging zunächst auf die Alpe Chlisterli im Melchtal in einiger Entfernung von seinem Heimatort. Als er nach acht Tagen von Jägern gefunden wurde, begab Nikolaus sich schließlich doch an den Ort, den er seit Kindestagen in einer Vision als seine Einsiedelei gesehen hatte: in die Ranftschlucht, nur wenige Minuten vom Wohnhaus seiner Familie auf dem Flüeli entfernt. In einer Hütte aus Ästen und Laub verbrachte er dort den ersten Winter, im folgenden Sommer errichteten Bauern aus Flüeli in Fronarbeit die Zelle und Kapelle für Nikolaus, die der Konstanzer Weihbischof 1469 - nach Prüfung der Ehrbarkeit von Nikolaus' Einsiedlerleben - zu Ehren der Mutter Gottes, der Büßerin Maria Magdalena, des heiligen Kreuzes und der 10.000 Ritter konsekrierte. 1469 schloss sich der aus Memmingen stammende Priester Ulrich als Schüler Nikolaus an und errichtete eine Holzklause auf der gegenüberliegenden Seite des Tales im Gebiet des heute St. Niklausen genannten Ortes an der Stelle der dann 1448 gebauten Kapelle im Mösli. Als auch er strengstens fastete und deshalb krank wurde, mahnte Nikolaus ihn, davon abzulassen. Ulrich starb 1491.
Vatikan weist Deutsche Bischofskonferenz in ihre Schranken Nach dem Missbrauchsskandal will sich die katholische Kirche in Deutschland reformieren. Doch jetzt funkt der Vatikan dazwischen – mit einer sehr klaren, fast spöttischen Botschaft. Angeredet wird Reinhard Marx von seinem römischen Kardinalskollegen Marc Ouellet aus dem Vatikan gestelzt-höflich mit "Eure Eminenz". Aber dann hagelt es Kritik. Trefft keine deutschen Entscheidungen, am Ende entscheidet Papst Franziskus, katholische Kirche ist keine Demokratie – mit so schroffen Feststellungen bügelt Rom den Wunsch in Deutschland nach mehr innerkirchlicher Offenheit ab. In dem Gutachten lässt der Vatikan kaum ein gutes Haar am geplanten Reformprozess der katholischen Kirche in Deutschland. Das ist der Konflikt Worum geht es? Der sexuelle Missbrauch von Kindern und Jugendlichen durch Kleriker hat das Vertrauen in die Kirche erschüttert. Die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) und das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) – die Vertretung der Gläubigen – sind sich deshalb einig: Jetzt muss etwas geschehen. Sonst ist der Schaden irreparabel. Deshalb wollen sie einen Reformprozess einleiten, den "synodalen Weg". Es geht darin um vier Punkte: den Umgang der Kirche mit Macht, die kirchliche Sexualmoral, die umstrittene Ehelosigkeit von Priestern (Zölibat) und die Position von Frauen in der Kirche. All diese Punkte haben nach Expertenmeinung strukturell dazu beigetragen, dass der Missbrauch über so lange Zeit ungestraft stattfinden konnte. Erster Warnschuss kam vom Papst Die große Frage zum geplanten Reformprozess ist: Dürfen die deutschen Katholiken sowas überhaupt? Schließlich sind sie nur ein Teil der viel größeren Weltkirche, und an deren Spitze steht der Papst. Einen ersten Warnschuss aus Rom gab's schon im Sommer: Da warnte Papst Franziskus die deutschen Glaubensbrüder und -schwestern in einem Brief vor Alleingängen. Weil er seine Aussagen aber in eine blumig theologische Betrachtung verpackte, blieb alles so unscharf, dass der DBK-Vorsitzende Reinhard Marx das Schreiben sogar als "Ermutigung" werten konnte. Das jetzt veröffentlichte Schreiben des Vatikans lässt dagegen keinen Spielraum mehr für Interpretationen. Die deutsche Teilkirche könne nicht über Themen wie die Position der Frauen entscheiden, weil diese die ganze Weltkirche beträfen, heißt es darin klipp und klar. Und die Nicht-Kleriker vom ZdK haben demnach schon mal gar kein Recht, mitzuentscheiden – schließlich sei die Kirche "nicht (...) demokratisch strukturiert". Woelki warnt vor Abspaltung Der Kirchenrechtsexperte Thomas Schüller ist in seiner Bewertung eindeutig: "Der 'synodale Prozess' kann damit nicht wie geplant durchgeführt werden", folgert er. "Eine kleine Minderheit der Bischöfe unter Führung von Kardinal Woelki hat es – durch gute Kontakte nach Rom – geschafft, den ganzen Reformprozess zu konterkarieren." Der in Kirchenfragen erzkonservative Rainer Maria Woelki aus Köln hatte kürzlich sogar gewarnt, es drohe eine Abspaltung der deutschen Katholiken von der Weltkirche, wenn der Reformprozess weitergehe. ZdK-Präsident Thomas Sternberg zeigt sich dagegen entschlossen, den "synodalen Weg" weiterzugehen. Er sieht das Schreiben offenbar als Einschüchterungsversuch, von dem er sich aber nicht beeindrucken lassen will: "Glaubt irgendjemand, man könne in einer solchen Krise der Kirche das freie Gespräch, das nach Ergebnissen und notwendigen Reformschritten sucht, unterdrücken?"
Böser Brief aus Rom  
NO FRANCE - NO SWITZERLAND: October 9, 2018 : Pope Francis talks with Card. Reinhard Marx during the afternoon session of the Synod of Bishops on the theme Young people, faith and vocational discernment at the New Hall of the Synod in the Vatican. 9 ottob
Franziskus von Assisi «Il   Cantico   di   Frate   Sole»   heisst   das  wunderbare  Lied  des  Italieners  Francesco, «Der Gesang von Bruder Sonne».  Ein  poetischer  Beitrag  zur  Klimadebatte. «Höchster,  allmächtiger,  guter  Herr,  dein  ist  das  Lob,  die  Herrlichkeit  und  Ehre  und  jeglicher  Segen.  Dir  allein,  Höchster,  gebühren  sie  und  kein  Mensch  ist  würdig,  dich  zu  nennen.» So beginnt sein Gesang, der Lob-gesang  des  Franziskus,  geschrieben  im 13. Jahrhundert. Sonne und Mond werden darin zu seinen Geschwistern, zusammen  mit  allem,  was  ist.  Als  wäre der Mensch einzig und alleine auf dieser Welt, zu staunen, zu beob- achten  und  sich  zu  freuen,  singt  er  Gott und allem Lebendigen ein Lied. «Gelobt   seist   du,   mein   Herr,   für   unsere  Schwester  Mutter  Erde,  die  uns  erhält  und  lenkt  und  vielfäl-tige Früchte hervorbringt, mit bunten Blumen  und  Kräutern.»  Franziskus  weiss,  dass  er  alles  Lebensnotwen-dige  geschenkt  bekommt.  Nehmen  und besitzen wäre Zerstörung. Ist das gemeint, wenn der Heilige weiter singt «Wehe jenen, die in töd-licher  Sünde  sterben»?  Franziskus  hatte den prunkvollen Mantel seines Vaters eingetauscht gegen eine ein-fache braune Kutte, er lebte mit der Natur und fand seinen persönlichen Einklang  mit  ihr.  «Selig,  die  Gott  finden  wird  in  seinem  heiligsten  Willen.» von Veronika Jehle
Impressum
Plüschtiere waschen
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©2019 Henry Aurich
  Katholische Synode
«Peanuts», die Comicserie mit Charlie Brown und seinem Hund Snoopy, ist seit Jahrzehnten beliebt. Dort kommt auch der Junge Linus vor. Er ist bekannt dafür, dass er seine blaue Schmusedecke überallhin mitnimmt. Sie gibt ihm Trost, wärmt ihn und lässt ihn abends gut einschlafen. Der verstorbene Zeichner der Comics erklärte einmal, dass sein Sohn als kleines Kind ebenfalls solch eine Decke mit sich herumtrug.Es gehört bei vielen Kleinkindern dazu, dass sie ein Schmusetuch oder Plüschtier haben, von dem sie sich nicht trennen können. Es gibt ihnen Halt und Heimat – auch noch Schulkindern, wenn sie einmal woanders übernachten. Dabei geht es nicht nur darum, wie sich das Tuch oder das Tier anfühlt und wie es aussieht. Meistens ist der vertraute Geruch noch wichtiger. Plüschtiere oder Nuschis zu waschen, ist daher sehr heikel und wird am besten heimlich gemacht, wenn das Kind es nicht sieht.Doch der Geruchssinn lässt sich nicht täuschen. Der Verlust ist gross, wenn der «heilige Gegenstand» nach der Wäsche nicht mehr nach Heimat riecht. Doch Gott sei Dank, bald kommt der Geruch wieder wie von selbst. Als Mutter habe ich die schwere Entscheidung, ab wann das Waschen eines Plüschtieres unvermeidbar ist. Auch als Erwachsene verbinde ich mit Gerüchen viele Erinnerungen. Sie können positiv oder negativ sein. Sie reichen vom Parfüm des ersten Freundes bis zum abschreckenden Geruch im Spital.Der Theologe Leonardo Boff hat ein Buch über Sakramente geschrieben. Interessanterweise schreibt er darin zunächst vom letzten Zigarrenstummel seines Vaters. Immer wenn er daran riecht, sind sofort alle Erinnerungen an den Vater wieder da – bis heute. Unser Geruchssinn ist am stärksten mit dem Langzeitgedächtnis verbunden.Wir dürfen nicht streng mit unseren Kindern sein, was die Plüschtiere angeht. Eine uralte Sehnsucht nach Geborgenheit ist eben mit Düften verbunden. Erwachsene beruhigen sich ja auch mit Räucherstäbchen oder Duftölen, und man darf diese Hilfsmittel haben. Sie wecken Geborgenheit. Diese Erfahrung kann ähnlich wie ein Sakrament sein. So ist es kein Wunder, dass kirchliche Heilszeichen auch mit Gerüchen von Weihrauch oder Öl verbunden sind und uns so mit dem Ewigen in Berührung bringen. Pastoralassistentin Katholische Pfarrei Volketswil Michaele Madu
Kirchenjahr «Thomas, der Apostel» Zwilling, Zweifler, Indienmissionar – Thomas hat unter den Aposteln ein eigenständiges Profil. Sein Gedenktag wird in neun christlichen Kirchen gefeiert, in unserer am 3. Juli. Jesus könnte Thomas vielleicht Ta’am gerufen haben. Das ist die Wurzel des Namens Thomas, aus der aramäischen Sprache, die auch Jesus gesprochen hat. Ta’am heisst Zwilling. Rund 300 Jahre nachdem Jesus und Thomas miteinander unterwegs waren, wissen die sogenannten Tho- masakten zu erzählen, die beiden könnten tatsächlich Zwillinge gewesen sein. Zumindest im übertragenen Sinn: Als ein «Zwilling» Christi soll Thomas Wunder vollbracht und Menschen bekehrt haben. Und das in Indien. Tatsache ist, dass sich heute sieben Kirchen im Osten Indiens «Thomas- christen» nennen. Sie sehen im Apostel Thomas ihren Gründervater, der für seinen Glauben dort auch das Martyrium erlitten haben soll. Berühmt geworden ist Thomas für eine Geschichte, die in der Bibel überliefert ist. «Wenn ich meine Hand nicht in seine Seite lege, glaube ich nicht» ist jener Satz, der Thomas in Verruf gebracht hat, an der Auferstehung Jesu zu zweifeln. Jesus dagegen lässt sich herausfordern. Ein Privileg, das einem «Zwilling» offenbar zusteht. Text: Veronika Jehle
Ethik, Rechnung, Bauen und Abschied An ihrer letzten Sitzung der Amtsperiode 2015–2019 zeichnete die Synode drei Abschlussarbeiten mit ihrem Ethik-Preis aus und verabschiedete drei Synodalräte. Die drei Abschlussarbeiten, die mit dem Ethikpreis ausgezeichnet wurden, beschäftigten sich mit ethischem Handeln in der Bekleidungsbranche, mit der Frage nach dem Impfzwang und dem ethischen Umgang mit Geld in einer Pfarrei. Den mit je 2000 Franken dotierten Preis überreichte Ruth Thalmann an Neva Nann (Foto), Aline Regez und Claudia Nuber. Das katholische Parlament nahm am 13. Juni ausserdem die Jahresberichte der Ombudsstelle, der Rekurskommission und der Katholischen Kirche im Kanton Zürich ab und genehmigte die Jahresrechnung 2018 der Körperschaft ohne Gegenstimme. Diese schliesst bei einem Ertrag von 61,8 Millionen Franken und einem Aufwand von 58,6 Millionen Franken mit einem Ertragsüberschuss von 3,2 Millionen Franken. Dies dank höherer Beiträge der Kirchgemeinden (aufgrund höherer Steuereinnahmen), tieferer Baubeiträge und des in allen Ressorts eingehaltenen Budgets, wie Finanzvorstand Daniel Otth lobend erwähnte. Zu diskutieren gab der Beitrag der Synode an die Bausanierung des Hauses der Katholischen Hochschulgemeinde aki. Der Beitrag von einer Million Franken war an sich unbestritten, doch der Zeitpunkt dazu schien einigen Synodalen zu früh: Sie wollten einen genaueren Kostenvoranschlag, eine fixe Baukommission und Sicherheit über das Vorhaben der Stadt Zürich bezüglich der Polytreppe, welche auf dem Grundstück des aki vorbeiführt. Die Finanzkommission der Sy- node wie auch der Synodalrat wollten den Beitrag jetzt sprechen, damit das Bauvorhaben starten und weitere Geldgeber angefragt werden können. Der Beitrag werde erst ausgezahlt, wenn die noch offenen Punkte geklärt seien, wurde argumentiert. Die Synode folgte schlussendlich diesem Antrag. Das Kirchenparlament genehmigte zudem den Zusammenschluss der Teile Hirzel und Schönenberg-Hütten mit den Kirchgemeinden Horgen respektive Wädenswil. An dieser letzten Sitzung verabschiedete der selber auch zurücktretende Synodenpräsident Alexander Jäger die drei abtretenden Synodalräte André Füglister, Zeno Cavigelli und Ruth Thalmann sowie die Kommissionspräsidenten Peter Brunner, Primus Kaiser und Bruno Rüttimann. Viele Synodalen trugen im Hinblick auf den Frauenstreik-Tag den violetten Aufkleber «Gleichberechtigung. Punkt. Amen.»bl
Maria, die Apostelin
Sie steht für Gleichberechtigung. Ihren Gedenktag am 22. Juli hat Papst Franziskus zum Fest erhoben und Maria Magdalena damit den Aposteln gleichgestellt. Für mich persönlich gehört die Szene zu den berührendsten Momenten im Neuen Testament: Jesus steht ihr gegenüber und sagt nur: «Maria!» Und sie, die ihn nicht erkannt hat – die ihn auch nicht erkennen konnte,immerhin war er doch gestorben –, erkennt am Klang ihres Namens den Ersehnten in ihm. Intimität und Unschuld sprechen so ruhig und innig aus diesem kurzen Dialog. Es ist der Moment, der mein Sinnbild für Gleichberechtigung ist: Jesus und Maria Magdalena, Mann und Frau erkennen einander. Auf Augenhöhe. Und anerkennen einander. In aller Unterschiedlichkeit. Das ist Liebe. Das ist Nächstenliebe. Agape, ob mit oder ohne Eros. Natürlich ist gerade sie die erste Zeugin der Auferstehung. Natürlich ist gerade sie eine von jenen, die unter dem Kreuz ausharren. Natürlich ist gerade sie Apostelin und geht mit Jesus gemeinsame Wege. Natürlich lässt Jesus gerade sie nahe an sich heran. Nicht weil sie eine Frau ist, sondern weil sie bereit ist. Vielleicht ist sie derart bereit, weil sie eine Frau ist. Nahe bei Jesus ist, wer nahe bei Jesus ist. Unabhängig vom Geschlecht. Veronika Jehle
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Bischof Wolfgang Ipolt katholische Synode